Aufgepickt 4: Alles Bio oder was?

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Glaubt man der Nachrichtenlage, dann kriselt es derzeit fast überall auf den Agrarmärkten. Die Wochenlese spart trotzdem das Thema Nahrungsmittel-Preise aus und sammelt diesmal Notizen aus Bio- und Weinbranche.

Anlässlich der Messe BioFach in Nürnberg haben eine Reihe wichtiger Personen ihr Statement zur Lage der Branche abgegeben. Da sorgt sich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner um die Zukunft der Ökobauern. Deren Existenz sei durch die geplante Reform der EU-Agrarpolitik ab 2013 bedroht. Sonnleitner, der bislang kaum als Öko-Fürsprecher auffiel, befürchtet eine “Vermischung der ersten und zweiten Säule” der Agrarpolitik und damit sinkende Einkommen für Biobetriebe. Wer das Fachsprech in Klartext übersetzt, der erkennt, dass der Bauernverband doch die eigene Klientel bedient: Die EU-Kommission denkt darüber nach, die Direktzahlungen je Hektar (“erste Säule”) an Landwirte stark zu senken. Für bestimmte ökologische Leistungen könnten die Betriebe Boni beziehen, Extra-Umweltprogramme (“zweite Säule”) könnten entfallen. Damit betrifft die Agrarreform ja wohl alle Bauern.

Genau wie Sonnleitner bemängelt auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), dass die ökologische Erzeugung in Deutschland die heimische Nachfrage nicht befriedigen kann. Zwar stieg 2010 die Zahl ökologisch bewirtschafteter Hektar um 5,7 Prozent auf über eine Million, gut 1.100 Bauernhöfe stellten auf Bioanbau um. Aber die Importe von Bioprodukten wachsen viel schneller. Zum Beispiel stammten im Wirtschaftsjahr 2009/10 von insgesamt 83.000 Tonnen frischen Bio-Möhren in deutschen Märkten 25.000 Tonnen aus den Niederlanden oder 12.000 aus Israel. Insgesamt lag der Importanteil bei 49 Prozent, nachzulesen in Zahlen, Daten, Fakten: Die Bio-Branche 2011.

Der BÖLW sieht die Politik in der Pflicht, den Ökolandbau attraktiver zu machen und nicht etwa Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene zu streichen. Agrarministerin Aigner gibt den Schwarzen Peter an ihre Länderkollegen weiter. Auf der BioFach versprühte Aigner Optimismus und sprach von einem “großen Potenzial für die deutschen Landwirte” auf dem Biomarkt. Um die Chancen zu nutzen, müssten Qualität und Produktivität verbessert sowie die Logistik- und Distributionskosten gesenkt werden. Bio als Business, kein Lifestyle.

Auch bei den Verbrauchern schwindet das Bekenntnis zu Bio. Von einer “Erosion der Überzeugung” sprechen die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und die AMI Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft nach einer Umfrage von 2010. Nur noch 28 Prozent der 30.000 Befragten stimmten des Aussage zu “Bio ist gesünder”. 2007 waren es noch 41 Prozent. Auch ist der Anteil derjenigen, denen Bio besser schmeckt, im gleichen Zeitraum von 28 auf 19 Prozent gefallen. Ein Grund dafür könnten mehrere publizierte Studien der vergangenen Jahre sein, in denen Bio-Produkte weder geschmacklich noch gesundheitlich besser abschnitten als konventionell erzeugte Nahrungsmittel.

Auf diese schlechte Nachrichten sollten wir vielleicht etwas trinken, am besten einen deutschen Wein. Denn die heimischen Winzer haben es nötig. Wie das Deutsche Weininstitut meldet, gaben die Verbraucher im Jahr 2010 2,7 Prozent weniger für Wein aus als im Vorjahr. Die verkaufte Menge sank nur geringfügig um 0,7 Prozent. Besonders betroffen von der gedämpften Trinklaune waren deutsche Weine. Mengenmäßig verringerte sich ihr Konsum überproportional um fünf Prozent, gemessen am Umsatz sogar fast sechs Prozent. Will heißen, wem der deutsche Wein zu teuer war, der griff eher nach einem günstigeren aus dem Ausland als ganz zu verzichten.

Verzicht scheint übrigens besonders Karrierefrauen angeraten. Nach einer britischen Studie steigt der Alkoholkonsum bei Frauen mit zunehmender Qualifikation. Viele erfolgreiche Frauen kompensierten ihren Stress in Beruf und Familie am Abend mit einem Glas zur Entspannung, so die Wissenschaftler. Dass den Frauen das gar nicht bekommt, zeigt eine weitere Untersuchung aus den USA. Demnach schlafen Frauen deutlich schlechter als Männer nach einer durchzechten Nacht. Zwar fördert der Alkohol das Einschlafen, doch in der zweiten Nachthälfte mehren sich Wachphasen und die Schlafqualität nimmt ab, insbesondere bei Frauen.

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